Marlens Welt Teil III


Marlen schreibt gerne und ist dazu noch eine Kollegin bei DailyDeal. Das ist für unseren DailyBlog natürlich perfekt und deswegen hat Marlen jetzt eine eigene kleine Kolumne.

Spätestens um 10:00 Uhr morgens ist der letzte Mitarbeiter eingetrudelt und die Stimmen füllen den Raum bis an die Decke. Doch es sind verhaltene Stimmen, hinter vorgehaltener Hand und teilweise gar im Flüsterton. Auch wenn sich die Nervosität noch im Anfangsstadium befindet, so ist sie doch schon deutlich spürbar. Die Blicke huschen immer wieder zur imposanten Treppe, welche sich in der Mitte des Raumes befindet und das Office um ein unteres Stockwerk vergrößert. Immer wieder rollt ein Bürostuhl ein Stück nach hinten um sich eines besseren Überblicks sicher zu sein, Hälse werden gereckt um die Neugierde zu befriedigen. 10:20 Uhr. Nervös wippende Füße, Fenster werden aufgerissen, mit dem Versuch die Spannung ein wenig zu entladen. Bald könnte es soweit sein. Der erste Mitarbeiter holt die nötigen Utensilien aus der Tasche und wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese Tätigkeit durch das Büro. 10:35 Uhr. Kaum einer mehr sitzt gemütlich auf seinem Stuhl. Wie eine Sprungfeder, bereit sofort zu starten, haben die Kollegen ihr Gewicht auf den vorderen Teil des Stuhls verlagert. Langsam fangen die ersten an ihre Aufregung nicht mehr kontrollieren zu können, stehen auf um ein paar Schritte zu laufen, setzen sich wieder. Das Warten wird für manchen fast nicht mehr erträglich. 10:41 Uhr. Niemand konzentriert sich mehr auf seine Arbeit. Ein jeder ist damit beschäftigt den anderen nicht spüren zu lassen, wie sehr ihn die Situation belastet. Stühle werden in die perfekte Kaufrichtung ausgerichtet. Sinnloses Klicken, hektisches Scrollen, keiner darf merken wie schwer es fällt, doch wie lange muss es noch dauern, es hätte doch längst soweit sein müssen, wann nur wann…! Das erlösende Klingeln, endlich! Einem Urknall gleich entlädt sich die gestaute Spannung. Jeder startet aus seiner Position. Wie eine gehetzte Meute stürzen die Kollegen mit Geld bewaffnet die Treppe herunter, versuchen sich gegenseitig zu überholen, schupsen, drängeln…, jeder möchte der Erste sein. Der Krach ist ohrenbetäubend, der Raum bebt, zufällig Entgegenkommende weichen erschrocken zur Seite oder müssen sich vom Strom mitziehen lassen. Es muss ein erschreckender Anblick sein für den Mann, der uns täglich unsere Brötchen bringt…